Als Senior noch im Missionsdienst

Was ich mit Gott erlebt habe.
 

Auf dem Abstellgleis

Nach menschlichen Maßstäben und Gesetzgebungen kommt man mit 65 Jahren ins Pensionsalter, und die Missionare kehren in ihre Heimat zurück. Für uns ist unser Missionsfeld unsere Heimat geworden. Wir erwarten vom Herrn unsere Wegweisung und solange Er uns keine Hinweise für eine irdische Ortsveränderung gibt, werden wir unseren Standort einbehalten. Als Kinder des Allerhöchsten sind wir seine Zeugen und unser Missionsauftrag hört erst auf wenn Er uns in die himmlische Heimat abberuft.
Somit sehe ich nichts besonderes darin, dass man als Senior noch im Missionsdienst steht.
In der heutigen schnelllebigen Zeit werden die Senioren oft zur Seite geschoben weil sie nicht mehr auf dem Laufenden sind und mit dem rasanten Tempo nicht mehr mitkommen.
Auf dem Missionsfeld sollte dies nicht der Fall sein da sich da nicht so viel ändert.
Natürlich wenn ich an unsere Radioarbeit denke und mit welchen einfachen Mitteln ich angefangen habe das Evangelium zu verkünden, dann muss ich sagen dass es da gewaltige Veränderungen gegeben hat. Ich kenne mich heute nicht mehr in unserem Radiostudio aus da hier unser Sohn seine Hände im Spiel hat und die Technik sich gewaltig entwickelt hat. Heute senden wir nicht mehr mit Kassetten- oder Spulenrekorder sondern mit Computer. Alles wird von Computer gesteuert und von, im Computer gespeicherten Aufnahmen, gesendet.  Da bin ich also auf dem Abstellgleis.
 
Von einem Senior sollte man geistliche Reife erwarten können und einen Erfahrungsreichtum im Umgang mit Menschen, zum Nutzen für die Jüngeren. Leider trifft dies nicht immer zu. Als Jugendlicher schaute ich auf die Älteren auf. Heute schaut man auf die Alten herunter. Ich will auf das Warum nicht eingehen.
 
Was habe ich mit dem Herrn erlebt oder von Ihm gelernt? Was würde ich heute anders machen?
Es ist gar nicht so einfach, diesen Rückblick zu machen.
 

Schwierigkeiten bei der Predigtvorbereitung

Im Traktatverteilen und Bücherverkauf hatte ich eine gute Vorbereitung und darum waren dies sofort Schwerpunkte in meinem Dienst. Wenn ich an die erste Zeit zurückdenke, dann erinnere ich mich sofort dass ich ein großes Problem mit dem Vorbereiten der Botschaften hatte. Das stresste mich ungeheuer. Ich hatte sofort einige Bibelstunden in der Woche zu halten und hatte kein Material und auch keinen Plan. Dazu hatte ich auch Schwierigkeiten, meine Gedanken aufs Papier zu bringen.
 
Das hat sich geändert. Nicht nur weil ich inzwischen mit dem Computer arbeite und mehr als tausend Botschaften gegeben und auch einen Lehrplan aufgestellt habe, nach dem heute die Neubekehrten von den Brüdern unterrichtet werden, sondern weil sich in meinem Unterbewusstsein ein Vertauen aufgebaut hat, dass der Herr mir aushilft, wenn ich am Ende bin. Es ist Seine Gemeinde, der ich zu dienen beauftragt bin und um dies tun zu können bin ich von Ihm abhängig. Wenn Er mich nicht füllt bin ich leer trotz aller Vorbereitung.
 
Meine Frau sagt mir des Öfteren gibt doch eine Botschaft, die du schon gegeben hast. Das funktioniert bei mir nicht. Es geht mir häufig so, dass ich nach der Botschaft nicht mehr weis was ich gesagt habe. Ich weis nicht ob es anderen genauso geht. Es kann ein Fehler in meinem Gehirn sein, möglich. Oft weis ich auch kurz vor der Botschaft nicht den Inhalt der Botschaft. Doch das regt mich nicht mehr auf. Ich habe die Botschaft schriftlich ausgearbeitet und mein Bestes getan. Der Herr hat mich auch persönlich gesegnet, doch das ist vorbei. Doch wenn ich dann vor den Geschwistern stehe, brauche ich sehr selten meine Notizen. Wie oft durfte ich erfahren dass der Herr meinen Mund gefüllt hat, sodass mir selbst die Tränen beim Predigen kamen. Des öfteren wollen die Geschwister dann meine Notizen, doch in diesen steht dann häufig nicht was ich gepredigt habe.
 
Ein Beispiel:
Wir haben im letzten Jahr alle kleinen Propheten studiert. Das bedeutet das ich diese in hebräisch und italienisch studiert habe. Ich habe sie wenigstens 50 mal gelesen, in 3 Versammlungen mit den Geschwistern betrachtet und einen tiefen Segen empfangen. Ich hätte nie gedacht was dieses Studium für mein Glaubensleben bedeuten könnte. Doch wenn Ihr mich fragt, dann kann ich mich kaum erinnern was wir studiert haben. Ich sage manchmal: mein Kopf ist wie ein Emmentaler Käse. Doch solch ein Kopf habe ich vom Herrn und ich bin dankbar dafür das ich ihn habe.
Wir haben einen Radiokontakt in Olbia. Der Mann liest mehr oder weniger jede Nacht ein Buch und weis was er gelesen hat und dies auch noch nach Monaten. Da komme ich nicht mit. Ich lese ein Buch, mache mir Notizen und nach einigen Tagen weis ich nicht mehr was geschrieben steht. Allerdings habe ich somit auch nicht die Verantwortung die dieser Mann hat. Was macht er mit dieser Fähigkeit? Er kennt die vielen Fehler in der kath. Kirche aber findet in unserer kleinen Gemeinde in Olbia keine Alternative für die kath. Kirche.
 
Obwohl ich diese Schwierigkeiten habe, habe eine so große Freude am Studium der Bibel, dass selbst starke Kopfschmerzen mich nicht vom Studium abhalten. Wie gerne würde ich die hebräische und griechische Sprache besser kennen, aber ... da muss ich mich mit dem begnügen was ich so langsam nebenbei erlerne.
 

Zusammenarbeit mit anderen Konfessionen

Am Anfang unseres Dienstes in Sardinien habe ich gemeint, dass es möglich sei mit den anderen Konfessionen zusammen zuarbeiten; in besondere Weise weil wir eine Minorität in Sardinien sind. Leider mussten wir feststellen, dass dies ein Irrtum war. Wir haben dadurch schwere Rückschläge bekommen. So haben wir dadurch heute in Sassari 3 verschiedene Pfingstversammlungen, die alle mit Geschwistern aus unserer Gemeinde angefangen haben und sich gegenseitig nicht verstehen. Ein Pfingstbruder hat sich katholisch beerdigen lassen, weil er von den Pfingstlern die Schnauze voll hatte.
Trotzdem beten ich fast täglich, dass der Herr das Wunder vollbringen möchte dass er diesen zerteilten Haufen zu Seiner Ehre vereinen möchte. Ich glaube, dass Er es tun kann. Seine heiliger Geist kann Licht in diese geistliche Verwirrung und auch in fleischlichen Entgleisungen schenken.

Fehler durch Visionsmangel

Was würde ich heute anders machen?
Es tut mir Leid, dass ich nicht, bevor unsere aktuelle Gesetzgebung in Kraft trat, unser Radionetz mehr ausgebaut habe. Es fehlte zu jener Zeit nicht an den Mitteln, aber die Vision. Heute sind wir gebunden, weil wir uns ans Gesetz halten.
 
Allerdings war es nicht nur ein Visionsproblem sondern auch ein Zeitproblem.
Wie kann man drei Gemeinden leiten und dazu noch eine Radiostation führen? Dazu gehörte ich zu jener Zeit auch noch zur Revisionskommission für die italienische Bibel, die mich viele Stunden am Tag in Anspruch nahm. Allerdings benutzte ich die revisionierten Seiten sofort für die Radiosendungen und Botschaften. Drei Fliegen mit einer Klappe.
Heute geht es unserem Sohn ähnlich. Er ist für die Radioarbeit voll. Wie kann ein Einzelner die Arbeit für 4 Personen ausrichten?
Das ist ein Problem an dem wir immer noch arbeiten.
 
Mein erster Fehler war wahrscheinlich, dass ich auf einer zu weiten Ebene gearbeitet habe. Am Anfang habe ich in der ganzen Provinz gearbeitet. Von dieser Arbeit sind 4 Gemeinden entstanden und der Rest ist untergegangen. Aber eben 4 Gemeinden waren zu viel für eine Person.
In die Arbeit in Olbia ist Antonio eingestiegen. Doch auch drei Gemeinden plus Radio waren zu viel.
 
Wir waren ohne Missionserfahrung und hatten selbst nie in einer schriftgemäßen Gemeinde erlebt. Damit fehlte auch eine zielbewusste Arbeit. Das rechte Gemeindebewusstsein habe ich mir durch das Studium in der Bibel langsam erarbeitet.
Nun wir sind für jeden Gläubigen dankbar und auch für die verschiedenen Gemeinden von der wir keine missen möchten.
 
Dazu kommt, dass wir die Arbeit mit der Evangelisation von Tür zu Tür angefangen haben. An den Türen trifft man normaler Weise Frauen an. So kommt es das die ersten Gläubigen Frauen sind. Die Ehemänner sind meistens ablehnend oder gleichgültig.

Wahrscheinlich habe ich da meinen zweiten Fehler gemacht. Ich hätte diese Frauen meiner Frau anvertrauen und auf Männerjagd gehen sollen. Als sich dann endlich Männer bekehrt haben, hatten die Frauen schon eine gute Bibelkenntnis. Auch das gibt Probleme.

In der Versammlung in Sassari hatten wir bald 5 Männer. Von denen ist einer auf der Strecke geblieben (seine Frau ist Zauberin) , einer ist gestorben und 3 sind heute noch, sagen wir auf Jünglingsbeinen. Wir preisen den Herrn für zwei Junge Männer, denen wir die Versammlung anvertrauen konnten. Zwei weitere Brüder haben sich zurückgezogen. Es ist eine Tatsache, dass all unsere Brüder vom Beruf her überlastet sind.

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