Ausschnitt aus dem INFORMATIONSBRIEF Nr. 241 1.APRIL 2007

Versuchungen und Verirrungen der Kirche von Hanns Leiner
Seite 14b -19

Ist der christliche Glaube als eine Religion zu verstehen?
Heute ist dies selbstverständlich. Doch war er es von Anfang an?

Jesus sah die Zerstörung des Tempels voraus voraus. Diese machte deutlich, dass man auch anderswo beten kann (Johannes 4,20-24) und stellte sogar die Vorrangstellung Israels als Gottes Bundesvolk in Frage (Matthaus 8,8-
10). Auch die Gesetzesfrömmigkeit der Pharisaer kritisierte Jesus grundsätzlich. Er wurde nicht zufàllig von den religiösen Autoritäten seines Volkes (Hoher Rat unter der Leitung des Hohenpriesters) verurteilt und verworfen. Kein
Wunder, dass sich bei seinen Anhängern ebenfalls langerfristig die Bindungen an das Judentum lockerten und schließlich lösten. An die Stelle der jüdischen (und auch heidnischen) religiösen Praktiken trat bei den Christen der
Glaube an Jesus Christus und die Nachfolge.
Das fiel in einer tief religiös geprägten Umwelt negativ auf: Die Gegner des Christusglaubens warfen den Christen vor:
Ihr seid ja Gottlose, Atheisten, denn euch fehlt all das, was zu einer »ordentlichen« Religion gehört: Tempel, Priester, Altäre, Opfer usw."
Das änderte sich im 2. Jahrhundert grundlegend.
Ansetzend an der Umdeutung der Abendmahlsfeier in eine Opferhandlung kam es zum Eindringen der allgemein menschlichen Religion in das Christentum. Das Mahl Christi wurde aus dem großen Geschenk der Gemeinschaft mit Christus zu einer von Priestern durchgeführten Opferhandlung, in der man Christus für Gott als Opfer einer symbolischen Wiederholung des Kreuzesopfers darbrachte in, so wie das Opfer in allen Religionen geschieht. Dazu brauchte man natürlich einen entsprechenden Ort, einen Altar, auf dem das Opfer vollzogen werden sollte (so wurde aus dem Abendmahlstisch der Opferaltar) und dazu auch einen Tempel, der als besonders heiliger Bezirk aus der profanen Welt ausgegrenzt wurde (vorher hatte man in den Privathausern das Mahl Christi gefeiert). Und vor allem brauchte man dazu natürlich Priester, die diese heilige Opferhandlung wirksam durchführen konnten und durften. Das führte zur Umdeutung der neutestamentlichen Dienste und deren Absonderung von der übrigen Gemeinde. Dadurch kam es jetzt zur Zweiteilung des Volkes Gottes in Priester und Nicht-Priester. Hierbei handelte es sich um die (Wieder)- Einfuhrung heidnisch-religiöser Vorstellungen in die christliche Gemeinde. Erst jetzt wurde es üblich, diese heiligen Handlungen, "Sakramente" zu nennen.

Durch diese Entwicklungen ist der christliche Glaube zu einer ganz gewöhnlichen Religion geworden, eben der »christlichen Religion«. Diese Veränderung ist im Licht des Anfangs als eine gefàhrliche Fehlentwicklung zu
bezeichnen.

Paganisierung - Eindringen des Heidentums seit dem 2. Jahrhundert
Damit war es noch nicht getan. Nun drang auch die Volksreligion mit Aberglauben, Magie, Zauber usw. in die
christlichen Gemeinden ein (Paganus = Heide).
Der antike Heroenkult kehrte wieder in Gestalt der Verehrung der christlichen Märtyrer und Heiligen. Das führte auch
zur Entstehung des Reliquienkults und von Wallfahrten zu besonderen »heiligen Stätten«.
Der Kult der weiblichen Muttergottheit (Magna Mater) lebte wieder auf in der beinahe göttlichen Verehrung fur die Jungfrau Maria.
Das Kreuz wurde als christliches Amulett und Schutzzeichen missbraucht;
der Taufe und dem Abendmahl wurden magisch-heidnische Wirkungen zugeschrieben.
Neben die Sakramente traten noch viele so genannte Sakramentalien, von denen man sich ebenfalls magisch-dinglichen Schutz vor den Gefahren des Lebens versprach (Segnung von Palmwedeln usw.).
Diese Rezeption von heidnisch-religiösen Praktiken wurde von der offiziellen Kirche nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert. Man taufte gewissermaßen das Heidentum, ohne es zu verändern oder zu reinigen.
Am Anfang der Kirche hatte man bei der Taufe die Absage an die heidnische Religion verlangt: »Verbrenne, was du angebetet hast ...« Jetzt duldete und bestätigte man den Volksaberglauben, anstatt ihn zu bekämpfen.
Damit wurde das Christentum zu einer heidnisch-christlichen Mischreligion, in der viele andere Helfer und Hilfen neben Jesus Christus traten. Es war vorbei mit dem, »Christus allein« ,jetzt hieß es: »Christus und Maria« usw. Auf, diesem Wege einer Paganisierung verlor das Christentum seine kritische, reinigende, befreiende und lauternde Kraft.

Institutionalisierung seit dem 3. Jahrhundert -Entstehunq einer Priesterkaste, Kirche wird »rechtlich-sakrale Heilsanstalt«
Mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens kam es zugleich zu einer immer stärkeren organisatorischen Erfassung und Zusammenfassung der Gemeinden. Diese Entwicklung war zum Teil sinnvoll und notwendig, denn eine große, das ganze römische Reich umfassende Gemeinschaft musste ein Minimum von Organisation ausbilden, um nicht zu
zerfallen. Außerdem gehörten die straffere Organisation und das Amt zu den Mitteln, mit denen man Sekten und Irrlehren bekämpfen, wollte. Die Institution hat daher in der Kirche ihre Berechtigung, solange ihr eine dienende
Rolle zukommt. Allerdings verselbständigte sich die Entwicklung der Institution, ging weit über das notwendige Maß hinaus und wurde zum Selbstzweck.

Dies vollzog sich von unten nach oben fortschreitend. Zunächst wurde die Leitungsfunktion in der Einzelgemeinde konzentriert und vereinheitlicht: An die Stelle der Presbyter trat ein Bischof, von dem es nun nur noch einen in
einer Gemeinde geben durfte. Die Presbyter wurden zu seinen Helfern herabgestuft ( monarchischer Episkopat). Die weitere Zentralisierung brachte es mit sich, dass man nun mehrere Gemeinden in einem Gebiet (etwa in einer größeren Stadt) unter einem Bischof zusammenfasste. Die Bischöfe großer, bedeutender Städte (zum Beispiel Antiochien, Alexandrien, Ephesus, Konstantinopel, Rom) wurden hervorgehoben und als so genannte Patriarchen oder Erzbischöfe über die Bischöfe der Umgebung gestellt. In der Ostkirche blieb die Zentralisierung der Kirche auf dieser Ebene stehen, während in der Westhälfte des Reiches die Konzentration noch einen entscheidenden Schritt weiterging: Der Bischof von Rom wurde als Papst an die Spitze der Kirche gestellt (etwa ab dem 5. Jahrhundert).

Das Papsttum war also der Endpunkt einer jahrhundertelangen geschichtlichen Entwicklung, die so im Neuen Testament und bei Jesus keineswegs vorgezeichnet war. Petrus regierte nicht als Papst. Vielmehr stellt diese Zen-
tralisierung der Leitung der Kirche gerade eine schwerwiegende Verfälschung dar. Unter dem Papsttum wurde aus der Bruderschaft der Gleichen eine Herrschaft des Einen über die anderen. Dadurch wurde die Gemeinschaft aller
Christen zerrissen in ein Oben und Unten, in das Gegenüber von Priestern auf der einen und so genannte Laien auf der anderen Seite. Während die einen anstelle Christi zu gebieten hatten, wurde für das entmündigte Volk der Gehorsam zur christlichen Haupttugend erklärt.

Gegen den ausdrücklichen Befehl Christi wurde dabei der Vatername (der Gott allein vorbehalten sein sollte) in dieser Kirche für die Priester in verschiedenen Formen eingeführt:
Abbas« (Abt), Pater (Vater), und Papa (Papst);
zudem wurde diese letzte Anrede noch mit dem geradezu gotteslästerlichen Zusatz » Heiliger Vater« versehen.
Diese Trennung zwischen Priestern und Nicht- Priestern fand vielfachen sichtbaren Ausdruck, zum Beispiel durch die Amtskleidung, durch die Ehelosigkeit der Priester, durch die Chorschranke in den Kirchen, die teilweise in den Klöstern sogar zur Wand wurde (so genannter Lettner). Die Priester allein wurden jetzt als »Geistliche« bezeichnet. Man kann hier mit Recht von der Ausbildung einer Priesterkaste sprechen.
Nicht genug damit: Diese organisatorische Zentralisierung unter den Amtsträgern wurde nicht nur pragmatisch begründet, sondern religiös überhöht als »heilige Ordnung«, als »Hierarchie«. Diese wurde als von Christus gestiftet behauptet. Man erklärte sie für göttliches Recht (ius divinum) in der Kirche. Darum schrieb z. B. Papst Bonifaz VIII in seiner Bulle »Unam sanctam« von 1302: »Wir lehren, dass es für jede menschliche Kreatur zur Erlangung
des Heils notwendig ist, dem Papst untertan zu sein.« Das gilt in der römisch-katholischen Kirche bis heute.

Romanisierung und Legalisierung seit dem 4. Jahrhundert - Eindringen des römischen Rechtsdenkens in die lateinische Kirche
Der Geist des vorchristlichen, römischen Rechts und seine wichtige Rolle im Römischen Reich drangen nun sehr stark in die Kirche ein. Es entwickelte sich in ihr ein eigenes Kirchenrecht, das ihr ganzes Leben und Wesen prägte. Das führte zu einer Verrechtlichung der Kirche. Zugespitzt könnte man sagen: Das Recht trat nun an die Stelle des Geistes.
Da sich das Kirchenrecht nicht auf die weltliche Ordnung der Kirche beschränkte (wo es nötig ist), sondern vielmehr als so genanntes göttliches Recht auch das geistliche Leben der Kirche regeln wollte (was es nicht kann und nicht soll), bedeutete dies eine weitere, schwerwiegende Beschränkung der »Freiheit, zu der uns Christus befreit hat« (Galater 5,1). Nicht zufällig gehörte es zur Absage Luthers an die Papstkirche, dass er 1520 zusammen mit der päpstlichen Bannandrohungsbulle auch die Bücher des Kirchenrechts ins Feuer warf und damit symbolisch die Kirche aus dem Bann des Kirchenrechts befreite. In der römisch-katholischen Kirche gilt dagegen das Kirchenrecht (gesammelt in dem umfangreichen Codex Juris Canonici CIC) bis heute ungebrochen.
Die Verrechtlichung (Legalisierung) der Westkirche stellte jedoch nur ein Beispiel für den umfassenderen Prozess der Romanisierung der Kirche dar: Die kirchlichen Amtsträger übernahmen nicht nur das Recht von Rom, sondern auch die Amtsgewänder der hohen römischen Beamten, verwendeten das Zeremoniell des römischen Hofes für den Gottesdienst und die lateinische Sprache für seine Liturgie; ja sie gingen sogar so weit, den Titel der römischen Oberpriester auf den Papst zu übertragen: »Pontifex maximus« (größter Brückenbauer- nämlich zwischen Gott und Menschen) - was er christlich gesehen nun wirklich nicht ist! Als christliche Kirchen gebaut wurden, geschah dies nicht zufällig im Stil der Empfangshalle der römischen Kaiser, der Basilika ( = Königshalle ).

Popularisierung seit dem 4. Jahrhundert - Entstehung von so genannten Volkskirchen und Staatskirchen mit ihren gefährlichen Konsequenzen
Mit dem Ende der Verfolgung des Glaubens durch das römische Weltreich und der öffentlichen Anerkennung der Gemeinden vermochte sich das Christentum jetzt ungehindert auszubreiten. Das wurde von den Christen verständlicherweise als großes Geschenk und Befreiung erlebt. Aber es wurde gewissermaßen »Mode« Christ zu werden. Der Andrang zur Taufe war so groß, dass die Gemeinden fast nicht mehr in der Lage waren, ihn zu
bewältigen und sie zu unterweisen. Augustin sprach deshalb von dem, "Eindringen einer unüibersehbaren Zahl unverlesener Fische" in die Kirche. Das ließ schon damals das Problem eines bloßen Namenschristentums akut werden.

Diese verschärfte sich noch, als gegen Ende des 4. Jahrhunderts der christliche Glaube zur Staatsreligion erklärt wurde. Dies geschah übrigens durch den Staat und nicht durch die Kirche. Nun mussten also praktisch alle Menschen im Römischen Reich Christen werden. Nach ihrem persönlichen Glauben fragte man dabei nicht mehr. Beängstigend schnell wurde so aus einer verfolgten eine verfolgende Kirche.

Damals entstanden als Folge dieser Konstantinischen Wende so genannten Volkskirchen, mit all den Problemen, die diese uns bis heute bereiten: Dieser »Sieg des Christentums« wurde zu einer Art Pyrrhussieg. Er veränderte nämlich das Wesen der Gemeinde Christi zutiefst. An die Stelle der freien Glaubensgemeinschaft trat eine christliche Zwangs-
anstalt.

Politisierung seit dem 5. Jahrhundert - Kirche und irdische Macht
Jesus Christus hatte anscheinend die römischen Caesaren besiegt und abgelöst. Darum sah man ihn immer mehr als deren Nachfolger an. Er wurde mit ihren Insignien versehen und als himmlischer Herrscher und Machthaber
(»Pantokrator«, Allherrscher) dargestellt und angebetet. Leider wirkte sich das auch negativ auf die Kirche aus.

Denn diese Herrscherrolle übertrug man immer mehr auch auf seine so genannten irdischen Stellvertreter, die Päpste. Das konnte in der Westkirche umso leichter geschehen, weil hier seit dem 5. Jahrhundert das Kaisertum ausfiel (476 n. Chr. Abdankung des letzten Kaisers). Die Rolle des Kaisers wurde nun durch die politischen Umstande auf den Papst übertragen.

Er wurde ein weltlicher Herrscher, der über einen eigenen Staat gebot (Kirchenstaat in Mittelitalien). Als solcher führte er selbst Kriege und stellte einen politischen Machtfaktor dar. Die Päpste behaupteten sogar, von Gott als Herrscher über das ganze Abendland eingesetzt zu sein. Christus habe dem Petrus »beide Schwerter« zugesprochen, das geistliche und das weltliche. Das erstere führe der Papst in der Kirche selbst, das zweite übertrage er bei der
Krönung dem Kaiser. Darum erlaubten es sich die Päpste, sich in die europäische Politik einzumischen. Am wirksamsten gelang dies dem Papst Innozenz III, den man "Papstkaiser" nannte. Diese Politisierung des Papsttums
strahlte in die ganze mittelalterliche Kirche aus. Darum konnte es »Fürst-Bischöfe« geben, die zugleich das Bischofsamt ausübten und als Reichsfürsten weltliche Landesherren waren. Darum waren die so genannten geistlichen Ritterorden zugleich Mönchsorden und führten als Ritter das Schwert. Deshalb war auch der Gedanke, im Namen des Kreuzes
Christi einen Befreiungskrieg im Heiligen Land zu führen (so genannte Kreuzzüge), nicht undenkbar. Erst die Reformation Luthers fing an, mit dieser geistlich-politischen Vermengung aufzuräumen und die beiden Regimente
deutlicher zu unterscheiden.

Säkularisierung -Verweltlichunq der Kirche seit dem 12. Jahrhundert
Die mittelalterliche, römisch - katholische Kirche erhob vor allem in Gestalt des Papsttums den Anspruch einer umfassenden Gestaltung der ganzen Gesellschaft und war in der Lage, diesen in einem erstaunlich weitgehenden Maße
durchzusetzen: etwa Jahres- und Tageslauf, Künste (Architektur und Malerei), Wissenschaften, Moral und Sitte usw. (so genanntes christliches Abendland).

Dabei gewann besonders das Papsttum immer mehr Einfluss, Macht und Reichtum. Insbesondere verstanden die Päpste es, ihre kirchliche Macht in klingende Münze umzusetzen (Ablasshandel u. a. ! ). Im Hochmittelalter verwandelte sich die Kurie mehr und mehr zu einem Instrument, Geld aus der Kirche herauszuholen und nach Rom zu bringen. Das ermög1ichte es ihnen, auf großem Fuße zu leben, das Leben in jeder Hinsicht zu genießen und auch als Mäzene Künstler und Wissenschaftler zu fördern. Das entfernte sie allerdings immer mehr von ihrem eigentlichen kirchlichen und geistlichen Auftrag. Sie erlagen der Versuchung von Macht und Reichtum zeitweise völlig.

Es bestätigte sich an ihnen: Je mehr es der Kirche gelingt, in die Welt vorzudringen und sie - vermeintlich - zu christianisieren und kirchlich zu gestalten, desto mehr setzt sie sich der Gefahr aus, dass die Welt in die Kirche eindringt. Der Versuch der Christianisierung der Welt führt zwangsläufig zur Verweltlichung des Christentums.

Moralisierung des christlichen Glaubens seit dem 12. Jahrhundert verstärkt seit dem 14. Jahrhundert
Das Evangelium von der Gnade, die uns um, Christi willen umsonst geschenkt wird, und die wir nur im Glauben empfangen können, ist im Grunde das Ende jedes Moralismus. Die christliche Befreiung von der religiösen Lohnmoral ging schon sehr früh in der Christenheit fast ganz verloren. Es kam vielmehr auch hier zu einem Rückfall in den Moralismus. Dieser beherrschte besonders das Mittelalter. Gott und Christus wurden überwiegend als Weltenrichter
gesehen und sie erzeugten daher bei den Christen vor allem ein Grundgefühl der Heils-Ungewissheit und der Angst vor dem Gericht am Jüngsten Tag, der drohenden Verdammung oder der Strafe im Fegefeuer. Diese Angst wurde von der Kirche teilweise geschürt und als Druckmittel für die Beherrschung der Menschen benützt, teilweise auch wieder besänftigt durch das Angebot von kirchlichen, "Hilfestellungen"wie zum Beispiel dem Ablass oder durch den Hinweis auf die Vielzahl guter Werke, mit denen man sich Verdienste bei Gott erwerben konnte. Diese Mischung aus geistlichem Zuckerbrot und Peitsche, verbunden mit der bleibender Angst und Ungewissheit, die durch das eigene Tun nicht überwunden werden konnten, führte zu einer massierten, quantitativ gesteigerten Frömmigkeit. Sie hielt die Christen immer in der Schwebe zwischen Angst und Hoffnung und trieb sie zu noch mehr Leistung an.

Das vermochte erst die Reformation zu ändern, indem sie durch die Wiederentdeckung des Evangeliums
von Jesus Christus den Menschen die Angst nahm und ihnen wieder Vertrauen zu Gott und Christus zu vermitteln vermochte, wie es Luther ganz persönlich erfuhr.

All diese hier dargestellten Neuerungen und Entartungen überlagerten und verstärkten sich zudem gegenseitig. Dies führte dazu, dass die ursprüngliche Gestalt der Christusgemeinde davon so verschüttet wurde, dass sie fast nicht mehr wieder zu erkennen war. So gesehen erscheint die Kirchengeschichte als eine Geschichte des Abfalls, der Entstellung
und des Ungehorsams. Allerdings ist das nur die eine Seite der Geschichte. Es gibt auch eine Geschichte der Reformen, Erneuerung, Umkehr und Erweckungen.